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Gratis Firma gründen: Wie Fasoon & IFJ mit Partner-Deals funktionieren

Publiziert am 2. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

«Firma gründen für CHF 0» – dieses Versprechen liest du bei Fasoon, IFJ und anderen Gründungsportalen. Und es stimmt tatsächlich: Die Servicegebühr des Portals kann komplett entfallen. Aber natürlich arbeitet niemand gratis. In diesem Artikel erfährst du, wie das Geschäftsmodell hinter der Gratis-Gründung funktioniert, was du als Gegenleistung erbringen musst und wann sich der Deal für dich lohnt – und wann nicht.

Das Geschäftsmodell: Wer bezahlt deine Gründung wirklich?

Gründungsportale wie Fasoon und IFJ finanzieren sich über Partnerfirmen. Das Prinzip ist einfach: Neugründer sind für bestimmte Branchen die wertvollsten Kunden überhaupt. Wer eine Firma gründet, braucht in den ersten Wochen fast zwangsläufig:

  • ein Geschäftskonto bei einer Bank
  • Versicherungen (BVG, Unfallversicherung, Betriebshaftpflicht)
  • einen Telecom-Anbieter fürs Geschäft
  • Business-Software für Buchhaltung und Administration

Genau hier setzen die Partner an. Versicherungen wie die Baloise, Banken wie PostFinance oder verschiedene Kantonalbanken, Telecom-Anbieter wie Swisscom oder Sunrise und Software-Anbieter wie Swiss21 bezahlen dem Gründungsportal einen Betrag pro vermitteltem Neugründer. Dieser Betrag deckt die Servicegebühr, die du sonst bezahlen würdest – typischerweise CHF 490 bis 999 für eine GmbH- oder AG-Gründung.

Für die Partner ist das klassische Kundenakquise: Statt teurer Werbung erreichen sie dich genau in dem Moment, in dem du ihre Produkte ohnehin brauchst.

Die Gegenleistung: Das musst du konkret tun

Gratis heisst nicht bedingungslos. Je nach Portal und Paket verpflichtest du dich zu einer oder mehreren dieser Gegenleistungen:

Gegenleistung Was es konkret bedeutet Zeitaufwand
Beratungsgespräch Versicherung Pflichttermin mit dem Versicherungspartner (z. B. Baloise), telefonisch oder vor Ort ca. 30–60 Minuten
Konto bei Partnerbank Geschäftskonto oder Kapitaleinzahlungskonto bei der Partnerbank eröffnen (z. B. PostFinance, Kantonalbank) ca. 30 Minuten plus Identifikation
Telecom-Angebot anschauen Offerte von Swisscom oder Sunrise entgegennehmen bzw. Beratung anhören ca. 15–30 Minuten
Software-Angebot Account bei einem Partner wie Swiss21 anlegen oder Demo anschauen ca. 15 Minuten

Der wichtigste Punkt dabei: Beim Beratungsgespräch besteht keine Abschlusspflicht. Du musst den Termin wahrnehmen – das ist die Bedingung –, aber du musst keine Versicherung abschliessen, wenn dir das Angebot nicht zusagt. Seriöse Portale kommunizieren das auch so. Anders sieht es beim Bankkonto aus: Hier ist die Kontoeröffnung selbst meist die Bedingung. Da du ohnehin ein Geschäftskonto brauchst und ein Konto in der Regel kostenlos oder günstig kündbar ist, ist das für die meisten Gründer keine echte Hürde.

Rechne insgesamt mit 1 bis 2 Stunden zusätzlichem Zeitaufwand für die Partner-Termine.

Was du trotzdem immer selbst bezahlst

Ein häufiges Missverständnis: «Gratis» bezieht sich nur auf die Dienstleistung des Portals. Die externen Kosten der Gründung trägst du immer selbst – bei jedem Anbieter, egal ob gratis oder bezahlt:

  • Handelsregistergebühr: je nach Rechtsform und Kanton ca. CHF 120 (Einzelfirma) bis CHF 600 (AG). Details findest du im Artikel Handelsregister-Eintrag: Kosten und Ablauf.
  • Kapitaleinzahlungskonto: ca. CHF 200–300 Gebühr, je nach Bank – wobei genau diese Gebühr bei manchen Partner-Deals erlassen wird. Mehr dazu im Artikel Stammkapital einzahlen.
  • Das Kapital selbst: CHF 20’000 für die GmbH, mindestens CHF 50’000 einbezahlt für die AG. Das ist allerdings keine Gebühr – das Geld gehört danach deiner Firma.

Wann lohnt sich die Gratis-Gründung?

Die Gratis-Variante ist für viele Gründer die rational beste Wahl – aber nicht für alle.

Die Gratis-Gründung lohnt sich, wenn …

  • du noch keine Geschäftsbank hast und ohnehin ein Konto eröffnen musst
  • du noch keine Firmenversicherungen hast und dich sowieso beraten lassen willst (BVG und Unfallversicherung brauchst du mit Angestellten ohnehin)
  • dir CHF 490–999 Ersparnis wichtiger sind als 1–2 Stunden Zeit
  • du offen für die Partnerangebote bist und sie unverbindlich vergleichen willst

Die bezahlte Gründung lohnt sich, wenn …

  • du bereits eine Hausbank hast, bei der du bleiben willst, und kein zweites Konto möchtest
  • du schon einen Versicherungsbroker hast und keine zusätzlichen Beratungsgespräche willst
  • dein Stundensatz hoch ist und du die Termine als teurer empfindest als die Gebühr
  • du maximale Unabhängigkeit bei der Wahl von Bank und Versicherung behalten willst

In diesem Fall zahlst du je nach Anbieter CHF 490 bis 999 Servicegebühr und bist frei von allen Bedingungen. Welcher Anbieter mit welchem Modell am besten zu dir passt, zeigt dir unser Anbieter-Vergleichsrechner in zwei Minuten.

Transparenz-Checkliste: Das prüfst du vor der Buchung

Bevor du ein Gratis-Paket buchst, klärst du am besten diese Punkte – idealerweise steht alles schriftlich auf der Website des Portals:

  1. Welche Partner-Bedingungen gelten genau? (Nur Beratungsgespräch? Kontoeröffnung Pflicht? Beides?)
  2. Was passiert, wenn ich eine Bedingung nicht erfülle? (Wird nachträglich die volle Servicegebühr fällig?)
  3. Gibt es eine Abschlusspflicht beim Versicherungsgespräch? (Sollte klar verneint sein.)
  4. Welche externen Kosten kommen dazu? (Handelsregister, Notar, Kapitaleinzahlungskonto – ein seriöses Portal listet sie transparent auf.)
  5. Ist der Notar inklusive? (Bei GmbH/AG relevant – manche Anbieter rechnen ihn separat mit ca. CHF 600.)
  6. Wie werden meine Daten an Partner weitergegeben? (Datenschutzerklärung prüfen: Welche Partner erhalten welche Daten?)
  7. Kann ich Partner auswählen oder abwählen? (Manche Portale lassen dich wählen, z. B. welche Bank.)

Wenn ein Portal auf eine dieser Fragen keine klare Antwort gibt, ist das ein Warnsignal.

Rechenbeispiel: Gratis vs. bezahlt bei einer GmbH-Gründung

Kostenpunkt Gratis-Paket (mit Partner-Deal) Bezahltes Paket
Servicegebühr Portal CHF 0 CHF 490–999
Notar (GmbH) meist inklusive inklusive oder ~CHF 600 separat
Handelsregister ~CHF 450 (kantonal verschieden) ~CHF 450 (kantonal verschieden)
Kapitaleinzahlungskonto oft erlassen (Partnerbank) CHF 200–300
Zeitaufwand Partner-Termine 1–2 Stunden keiner
Total Barauslagen ab ~CHF 450 ab ~CHF 1’140

Der Unterschied von mehreren hundert Franken ist real – die Frage ist nur, ob dir die Gegenleistungen den Betrag wert sind. Eine detaillierte Aufschlüsselung aller GmbH-Kosten findest du im Artikel GmbH gründen: Kosten.

Fazit: Ein fairer Deal – wenn du weisst, worauf du dich einlässt

Das Partner-Modell ist kein versteckter Trick, sondern ein transparentes Tauschgeschäft: Du gibst 1–2 Stunden Zeit und Offenheit für Partnerangebote, dafür sparst du CHF 490 bis 999. Für Gründer ohne bestehende Bank- und Versicherungsbeziehungen ist das fast immer ein guter Deal – du brauchst diese Produkte ja sowieso. Wer dagegen schon versorgt ist und seine Ruhe will, fährt mit der bezahlten Variante entspannter.

Wichtig ist nur: Lies die Bedingungen vor der Buchung, geh die Transparenz-Checkliste durch und vergleiche die Anbieter. Unser Anbieter-Vergleichsrechner hilft dir dabei, das passende Modell für deine Situation zu finden – einen ausführlichen Vergleich der drei grossen Portale findest du zudem unter Fasoon vs. IFJ vs. Startups.ch.

Häufige Fragen

Ist die Gratis-Gründung bei Fasoon oder IFJ wirklich kostenlos?

Die Servicegebühr des Portals entfällt tatsächlich, wenn du die Partner-Bedingungen erfüllst. Externe Kosten wie Handelsregistergebühren und das Kapitaleinzahlungskonto bezahlst du aber in jedem Fall selbst.

Muss ich beim Beratungsgespräch mit dem Versicherungspartner etwas abschliessen?

Nein. Der Termin selbst ist Pflicht, ein Vertragsabschluss ist es nicht. Du kannst dir das Angebot anhören und danach frei entscheiden.

Warum verschenken Gründungsportale ihre Dienstleistung?

Partnerfirmen wie Versicherungen, Banken und Telecom-Anbieter übernehmen die Kosten. Sie zahlen dafür, dass sie mit Neugründern in Kontakt kommen – ein wertvoller Moment, weil frisch gegründete Firmen ohnehin Bankkonto, Versicherungen und Software brauchen.

Wann lohnt sich die bezahlte Gründung statt der Gratis-Variante?

Wenn du bereits eine feste Bankbeziehung und einen Versicherungsbroker hast und keine Termine wahrnehmen willst, kann die bezahlte Variante für CHF 490 bis 999 die entspanntere Wahl sein.

Welche Kosten bleiben bei einer Gratis-Gründung immer bestehen?

Die Handelsregistergebühr (je nach Rechtsform und Kanton ca. CHF 120 bis 600), die Gebühr für das Kapitaleinzahlungskonto (ca. CHF 200 bis 300, teils erlassen) und bei GmbH/AG das einzuzahlende Kapital selbst.

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